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Arier-Invasion in Indien? Drucken E-Mail

Die Legende von der Arier- Invasion in Indien

Mit dem Erscheinen der Sanskritschriften in Europa verbreitete sich die Überzeugung unter vielen Gelehrten, die altindische Kultur sei der historische und auch geistige Ursprung der später entstandenen antiken und europäischen Kulturen. Um die bisherige Monopolstellung des Christentums zu verteidigen, wollten christliche Missionare und Indologen anhand der Quellentexte beweisen, dass die indische Kultur der christlichen bei weitem unterlegen sei.

Armin Risi, "Gott und die Götter", Govinda Verlag, 388- 391
 
Die christlich-indologische „Aufklärungsarbeit" sollte einerseits die Inder von der Minderwertigkeit ihrer eigenen Kultur überzeugen, um sie so zum Christentum zu bekehren; andererseits sollte sie in Europa die Wertschätzung für diese fremde, heidnische Kultur beseitigen. Heute sieht man, dass ihnen ersteres besser gelungen ist als letzteres.
 
Govardhan
 
Aber nicht nur die westliche Missionierung in Indien führte zu Trugschlüssen, sondern auch die akademischen Sprachforschungen in Europa, die angestellt wurden, als das Sanskrit am Schulzimmerhorizont erschien. Im 19. Jahrhundert wurde plötzlich - als Schlag gegen die von der „indischen Urkultur" faszinierten Gelehrten - verkündet, Sanskrit sei gar nicht die älteste Sprache, es gäbe viele andere, gleich alte Sprachen, die alle (inklusive das Sanskrit) auf eine verlorene „Ursprache" eines verschollenen „Urvolkes" zurückzuführen seien. In dieser Zeit entstand die indologische Theorie, die behauptet, Indien sei ein primitives Land gewesen, bis von außen etwa 1400 v. Chr. ein „arisches" Volk in den Subkontinent eingedrungen sei, was durch Rassen Vermischung zur Entstehung der vedischen Kultur geführt habe. Die verdische Kultur und die vedischen Schriften seien also nicht etwa fünftausend Jahre alt oder sogar noch älter, wie behauptet werde, sondern jünger, d.h. nicht älter als etwa dreitausend Jahre, also jünger als die semitischen Wurzeln und Schriften des Christentums.
 
Diese Theorie wird heute ausnahmslos in jedem Lexikon und Schulbuch als Tatsache verkündet. Es ist jedoch äußerst aufschlussreich zu erfahren, wie es überhaupt zu dieser Ariertheorie kam. Sie entstand nicht auf der Grundlage von historischen Funden oder Überlieferungen, sondern entsprang der ehrgeizigen Phantasie des deutschen Sprachforschers Franz Bopp (1791-1867). Franz Bopp, ein voreingenommener Christ, wollte beweisen, dass das Sanskrit keine Sonderstellung in der menschlichen Sprachentwicklung einnehme, sondern - wie alle anderen Sprachen auch - von einer Ursprache abstamme.
 
Diese Theorie wäre interessant, wenn es eine solche Ursprache und ein entsprechendes Urvolk gäbe. Es gibt sie aber nicht, und deshalb konstruierte Franz Bopp am Schreibtisch eine eigene Ursprache und verkündete, dies sei der Beweis, dass die heute bekannten Kulturen, auch die indische, von einer älteren abstamme. Bezeichnenderweise wird bis heute - vergeblich! - nach diesem angeblichen „Urvolk" gesucht:
FranzBoppAls der Aschaffenburger Franz Bopp 1813 bemerkte, dass z.B. das deutsche Wort Mutter im Germanischen modar, im Schwedischen moder, im Englischen mother, im Französischen mere, im Spanischen madre, im Lateinischen mater, im Griechischen meter und im altindischen Sanskrit matar hieß, schuf er durch diese vergleichende Betrachtung der Wörter, dann der Grammatik, nicht nur einen neuen Wissenschaftszweig, die Vergleichende Sprachwissenschaft', sondern stieß auch das Tor zur Frühgeschichte Europas ... auf.

Mit sprachlichen Mitteln konnte er historische Vorgänge erschließen, von denen man sich bis dahin wegen des Fehlens einer direkten schrift¬lichen Überlieferung und einer archäologischen Forschung kein einheitliches Bild hatte machen können. ... [Er] schloss auf eine diesen Völkern zugrunde liegende ,Ursprache' eines ,Urvolkes', das zehn Jahre nach Bopps ersten Überlegungen nach den äußersten Punkten seiner sprachlichen Erstreckung von Indien bis in den germanischen Raum ,Indogermanen' genannt wurde ... Im weiten Raum zwischen Ostsee und Innerasien, im eurasiatischen Steppengürtel, sucht die Forschung bis heute die Heimat der ,Indoeuropäer'." Wenn eine Theorie genehm ist, wird sie gern willkommen geheißen, selbst wenn sie der erforderlichen wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Es gab damals jedoch viele Gegner dieser Theorie, die sogleich erkannten, dass hier einfach spekulativ eine so genannte „indogermanische Ursprache" konstruiert wurde, die in der Folge mit einem imaginären „Urvolk" verbunden wurde, das angeblich im 2. Jahrtausend vor Christus in Indien eingewandert sei.


 
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