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Knapp fünf Prozent der Bevölkerung geben an, sich vegetarisch zu ernähren - Sabine Winkler ist Ernährungscoach und betreibt ein vegetarisch-veganes Lokal.
Ihr Mann ist Inder und hat in seinem ganzen Leben noch nie Fleisch
gegessen. Auf den Tisch kommen Hülsenfrüchte, Reis
und Gemüse. Die indische Küche hat eine Jahrtausende
alte vegetarische Tradition.
Jeder hat andere Beweggründe, kein Fleisch zu essen.
Sabine Winkler, Ernährungscoach, Vegetarierin: "Meiner Meinung
nach ist es richtig. Ich würde auch für meine Kinder
kein Fleisch kochen. Es ist eine Entscheidung nicht nur aus ernährungstechnischen Gründen. Auch aus
Überzeugung. Der Vater der Kinder ist 35 und hat noch nie
Fleisch gegessen.“
Und mit ihm Millionen von Indern, die sich vegetarisch
ernähren. Ein ausgewogener Speiseplan vorausgesetzt - mit viel
Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten - um
genügend Eiweiß und Vitamine zu sich zu nehmen. Das
deutsche Krebsforschungszentrum hat in einer Langzeitstudie zweitausend
Menschen zwanzig Jahre lang beobachtet. Drei Gruppen wurden untersucht:
Vegetarier, Veganer - also Menschen die komplett auf tierische Produkte
verzichten - also auch keine Milch und Eier essen und moderate
Vegetarier, die fallweise zu Fleisch greifen.
Alte "Volksweisheiten" - wonach Vegetarier bleich und
mangelernährt sind, fanden keine Bestätigung in der
Studie. Vielmehr zeigte sich, dass die Vegetarier und jene, die nur ab
und zu Fleisch essen, gesünder sind als der Rest der
Bevölkerung.
Die untersuchten Personen waren aber nicht nur gesünder,
sondern hatten durch ihre Ernährung auch einen weiteren
entscheidenden Vorteil.
Jenny Chang-Claude, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg: "Ja,
Vegetarier leben länger als der Durchschnitt. Das haben wir in
unserer Langzeitstudie bewiesen. Wir haben in der Auswertung die
Altersverteilung berücksichtigt. Nach der Studie
können wir sagen, dass Vegetarier weniger Herzkrankheiten haben. Aus anderen Studien wissen wir, dass Vegetarier
weniger an Diabetes, hohem Blutdruck und Gicht leiden.“
Die Sterbequote von Männern, die sich vegetarisch
ernähren, ist um 50 % geringer, bei Frauen sind es 30 %. Wobei
diese Ergebnisse auch durch den Lebensstil der Vegetarier beeinflusst
werden. Die untersuchten Personen rauchen deutlich weniger als die
Durchschnittsbevölkerung, trinken Alkohol nur moderat und
betreiben regelmäßig Sport.
Jenny Chang-Claude, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg:
„Mit vegetarischer Ernährung nimmt man auch mehr
Vitamine auf. Man hat auch eine höhere Aufnahme von
pflanzlichen Ballaststoffen. Und ein günstigeres
Verhältnis von gesättigten und ungesättigten
und mehrfach gesättigten Fettsäuren. Alles, was sich
sehr günstig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen
auswirkt.“
Das Wiener Schnitzel. Das Lieblingsessen von Frau und Herren
Österreicher - doch dieses Schnitzel ist vegan - kein
tierisches Produkt wurde verwendet - nicht einmal ein Ei für
die Panier. Seitan - also Weizengluten ist der Rohstoff aus dem das
vegane Wienerschnitzel ist.
Laut deutscher Langzeitstudie schnitten die moderaten Vegetarier, also
jene, die ab und zu Fleisch konsumieren, genauso gut ab wie die reinen
Pflanzenesser. Die untersuchten Vegetarier sind auch deutlich weniger
oft übergewichtig und weisen einen höheren
Bildungsstandard als die Restbevölkerung auf.
Die amerikanische Ernährungsagentur ADA hat eine Empfehlung
herausgegeben. 70.000 Ärzte und Diätologen meinen:
eine vegetarische oder vegane Ernährungsform sei ratsam. Diese
habe nämlich nicht nur prophylaktische Wirkungen, sondern
könne auch zur Heilung eingesetzt werden.
Martin Schlatzer, Ernährungswissenschafter, Veganer:
„Die postulieren sogar, dass vegane Ernährung
für jede Lebensphase geeignet ist. Auch für
Säuglinge, Schwangere und Stillende. Auch für
Jugendliche und im hohen Alter. Sie eignet sich für die
Behandlung von Multipler Sklerose, Rheumatoider Arthritis und
Nierenerkrankungen. Man hat in Studien sehr positive Ergebnisse
erzielt.“
Eine Studie österreichischer Ernährungsexperten
zeigte, dass auch Veganer, obwohl sie keine Milch trinken -
genügend Kalzium zu sich nehmen - ihr Osteoporoserisiko ist
geringer als das von Fleischessern. Ihre Knochendichte sogar besser als
die der Durchschnittsbevölkerung. Grund dürfte
schwefelige Aminosäuren sein, die in Fleisch, Fisch und Milch
vorkommen.
Martin Schlatzer: „Mischköstler dürften
einen höheren Bedarf an Kalzium haben. Ihre Nahrung
enthält viel Fleisch, Eier, Fisch und Milchprodukte. Alle
diese Lebensmittel enthalten viele schwefelige Aminosäuren.
Und die sind ein Problem. Sie lösen das Kalzium aus den
Knochen. Der Körper gibt das Kalzium über die Nieren
und den Urin ab.“
Die meisten Vegetarier gaben übrigens an, nicht wegen der
gesundheitlichen Vorteile auf Fleisch zu verzichten. Vielmehr sind sie
dagegen, Tiere zu essen oder finden Fleisch einfach ekelerregend.
Quelle: TV ORF.at ...
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