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Zwei Arten von Wissen

Durch das Befolgen des Karma-Yoga Pfades wird ein Resultat erzielt, das man als jnana oder transzendentales Wissen bezeichnet. Transzendentales Wissen ist zweifach unterteilt, nämlich in tad pradharta jnana und tvam pradhar ta jnana. Tvam pradharta jnana bezieht sich auf Wissen über meine eigene Persönlichkeit, Wissen wie: "Ich bin nicht dieser Körper, ich bin spirituell, ich bin transzendental." Dieses Wissen ist jedoch nicht nur Theorie, sondern wird auch praktisch erfahren. Dafür kann folgendes Beispiel gegeben werden: Wenn plötzlich eine große und tödlich giftige Schlange in einen belebten Raum gekrochen käme, würden alle Anwesenden sogleich aufschreien und weglaufen. Die Ursache für eine solche Reaktion ist jedoch eine körperliche Lebensauffassung.

Man glaubt, dass man mit dem Körper identisch ist und sein Schicksal selber kontrollieren kann. Man hat kein Vertrauen in das Gesetz des karma und in die universale Gerechtigkeit. Weil man von der Auffassung beherrscht wird, dass alles nur aus Zufall geschieht, glaubt man, sein Glück in die eigenen Hände zu nehmen und davonlaufen zu müssen. Alle Leute wären in solch einer Situation von Angst beherrscht, der Angst vor dem Tod: "Ich bin der Körper und der Körper muss sterben." Diese Ängste sind jedoch völlig illusorisch. Im Gegensatz dazu sind erleuchtete Personen von einer solchen Illusion frei und daher unter allen Umständen glücklich und friedvoll. Weil sie durch die Verwirklichung ihrer Seele tiefe Zufriedenheit gefunden haben, sind sie immer ungestört und beklagen sich niemals.

Es gibt jedoch noch eine andere Art von jnana, die als tad pradhartha jnana bezeichnet wird. Damit ist nicht das Wissen von der individuellen Seele, sondern das Wissen von der höchsten Seele gemeint. Diese höchste Seele ist der Ursprung aller individuellen Seelen, und sie ist im ganzen Universum unter dem Namen ,Gott' bekannt. Tad pradharta jnana ist das Wissen über Gott. Durch den Vorgang des Karma Yoga kann man gewöhnliches jnana, d.h. tvam pradharta jnana, Wissen von der Seele, erlangen. Gott allerdings können wir dadurch nicht verwirklichen.

Die charakteristischen Merkmale von Jnana-Yoga

Jnana-Yoga bedeutet, dass man an die verschiedenen Genüsse der materiellen Welt, wie beispielsweise Berauschung, Fleischessen, Glückspiel, Sexualität und alles damit in Verbindung stehende, nicht im geringsten angehaftet ist. Man verbringt seine Zeit mit dem Studieren philosophischer Prinzipien, die die materielle Welt betreffen, und übt sich' in verschiedenen positiven Eigenschaften wie Demut und Wohlwollen gegenüber allen Lebewesen. Man übt sich darin, jeden als gleichwertig zu betrachten, sowohl in Hitze als auch in Kälte ausgeglichen zu sein und Ehre, Schmach, Verlust, Gewinn und alle derartigen Dualitäten duldsam hinzunehmen. Mit anderen Worten, die Entwicklung eines intellektuelles Verständnis der Abläufe in der materiellen Welt sowie das Kultivieren der Eigenschaften einer erleuchteten Person wird Jnana-Yoga genannt. Jemand der dem Pfad des Jnana-Yoga folgt, strebt danach, jnana oder transzendentales Wissen zu erlangen, indem er aufhört in dieser Welt tätig zu sein und sich in Meditation und das Studium der Schriften versenkt.

Man sollte aber zur Kenntnis nehmen, dass dieses selbe jnana in gleicher Weise durch die Ausführung von Karma-Yoga erlangt werden kann. Von beiden Wegen ist der Vorgang des Karma-Yoga sicherer, da es sehr schwierig ist, die Sinne künstlich zu kontrollieren. Wenn wir die Sinne mit der Ausführung der vorgeschriebenen Pflichten beschäftigen, dann können sie ihrer Natur gemäß tätig sein und trotzdem bekommt man auf solche Handlungen keine Reaktionen; mit anderen Worten man wird nicht durch sie gebunden.

Jemand der vikarma ausführt, der die universalen Gesetze bricht, wird als Reaktion darauf Leid erfahren müssen, wie auch derjenige; der akarma ausführt, d.h. seine vorgeschriebenen Pflichten vernachlässigt. Die Person, die karma, seine vorgeschriebenen Pflichten ausführt, wird als Ergebnis davon materielle Annehmlichkeiten erhalten. Doch die Besonderheit von Karma-Yoga besteht darin, dass alle ausgeführten Handlungen überhaupt keine Reaktionen nach sich ziehen. Sie produzieren kein Karma. Auf diese Weise kann er in der Welt tätig sein, ohne eine erneute Geburt vorzubereiten. Er schafft keine sich ansammelnden Reaktionen, die in den nächsten und vielen weiteren Leben erlebt werden müssen, sondern bewegt sich in Richtung Befreiung. Heutzutage haben die Menschen soviel Karma, dass ihre nächsten tausend Leben für sie schon vorskizziert sind. Diejenigen jedoch, die Karma-Yoga aus- führen, verringern durch diesen Vorgang nach und nach ihr Karma, bis schließlich auch die letzte karmische Reaktion im Feuer des Karma-Yoga verbrannt ist. Karma-Yoga ist der Vorgang, der sie zur Ebene der Befreiung erhebt.

 

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