| Über den Guru |
|
|
|
Seite 1 von 2 Vorstellungen vom Spirituelln Meister
Srila Sridhara Maharaja: Ja, er sollte seinen gurudeva nicht nur als uttama-adhikari ansehen, als einen Gottgeweihten der höchsten Stufe, sondern er sollte seinen gurudeva sogar als besonderen Abgesandten des Herrn Selbst oder Seiner höchsten Kraft betrachten. Er sollte in seinem gurudeva die innere Energie des Herrn (svarupa sakti) sehen, ihn betrachten als Radharanis Abgesandten, Sri Rupa Manjari. So gibt es also unterschiedliche Sichtweisen von unserem geistigen Meister. Dieses Bild, das wir von unserem geistigen Meister haben, ändert sich entsprechend unseres allmählichen Fortschritts im Krishna-Bewusstsein. Auf der ersten Stufe des liebevollen Dienstes ergeht an den Schüler die Anweisung, den Guru zu betrachten,als wäre er Krishna Selbst (saksad-dharitvena samasta sastrair). Später wird er den guru als die Kraft Krishnas ansehen und schliesslich wird er ihn, seinem inneren Verlangen entsprechend, als eine ganz bestimmte Art dieser Kraft Krishnas erkennen. Er wird feststellen, dass die liebevolle Hingabe seines geistigen Meisters von einer ganz bestimmten Gemütsverfassung gekennzeichnet ist, entweder von der der Dienerschaft, der Freundschaft, Elternschaft oder der der ehelichen Liebe. Diese Differenzierung wird so lange weitergehen, bis er einmal Krishna Selbst sehen wird, zusammen mit Seiner inneren Energie, die in Krishna ruht. Schüler: Manche Menschen glauben, dass man, um Schüler einzuweihen ein Gottgeweihter der höchsten Stufe sein müsse, der in diese Welt herabgestiegen ist, um auf der mittleren Ebene zu handeln. Sie anerkennen keine wie auch immer geartete Abstufung bei den gurus. Ihnen zufoge muss man den guru genau aussuchen und darf nur von einem guru der höchsten Stufe Einweihung annehmen. Von der rechten Gesinnung eines geistigen Meisters Srila Sridhara Maharaja: Ich sah das zuerst auch so, aber mein Verständnis machte einige Wandlungen durch und meine Vorstellung änderte sich. Anfangs, nach dem Weggang von Srila Bhaktisiddhanta Prabhupada, wagte ich es nicht, selbst Schüler anzunehmen, aber drei Ereignisse haben meine Haltung verändert. Danach begann ich diese Aufgabe ganz bescheiden und demütig anzunehmen. Erst neulich hat mir ein anderer Gottgeweihter diese Frage gestellt. Ihm erzählte ich die Geschichte von Krishnas Kopfschmerzen. Vielleicht kennst du die Geschichte. Einmal, als Krishna in Dvaraka weilte, erzählte Er Narada Muni, dass Er von schlimmen Kopfschmerzen geplagt werde und dass das einzige Heilmittel dagegen der Staub von den Füssen Seiner Geweihten sei. Daraufhin ging Narada zu vielen Geweihten in Dvaraka, aber nicht ein einziger gab ihm auch nur ein wenig Staub von seinen Füssen. Stattdessen klagten sie: "Oh nein, das ist unmöglich, das können wir nicht tun, wir wollen nicht in die Hölle kommen." Niedergeschlagen kehrte Narada zu Krishna zurück. Krishna sagte: "Mir geht es jetzt wirklich sehr schlecht. Hast du ein bisschen Staub bekommen?" "Nein Herr, niemand war bereit, den Staub seiner Füsse herzugeben." Narada war wie vor den Kopf geschlagen. Krishna wies ihn an: "Du könntest es in Vrindavan versuchen." Sofort erzählte Narada die Geschichte den gopis, und diese brachten augenblicklich den Staub von ihren Füssen. Sie sagten: "Krishna leidet? Er braucht den Staub von unseren Füssen? Bitte hier nimm ihn und bring ihn augenblicklich zu Ihm." Narada war erstaunt. "Was ist das?" dachte er, "keiner der Geweihten wollte Krishna auch nur ein wenig vom Staub seiner Füsse geben, aber diese Menschen hier, die tun es?" Er fragte sie: "Wisst ihr, was die Folge dieser Handlung sein wird?" Die gopis antworteten: "Ja. Ewige Verdammnis. Das macht uns nichts aus! Für uns ist allein wichtig, dass es unserem Herrn wenigstens ein bisschen Erleichterung bringt." Das ist ein Punkt, der mir damals zu Bewusstsein kam. Und ein anderer war dieser: Sri Chaitanya Mahaprabhu sagt: "Auf Meinen Befehl hin werde guru und erlöse das ganze Land" (amara ajnaya guru hana tara ei desa). Deshalb sollten wir denken: "Ich selbst bin fehlbar, aber ich bin zuversichtlich, dass das, was mein guru mir gegeben hat, etwas Aussergewöhnliches, Lebendiges und Nektargleiches ist. Und er hat mich gebeten, das an andere weiterzugeben. Es spielt also keine Rolle. Ich werde es wagen. Er hat es mir aufgetragen. Ich bin sein Diener. Er wird sich um mich kümmern." Mit diesem Wagemut muss der Schüler an die Verantwortung herantreten und denken: "Ich könnte zur Hölle fahren, aber ich muss der Anordnung meines gurudeva Folge leisten. Ich mag dabei ums Leben kommen, aber ich muss den Befehl meines Kommandeurs ausführen." Mit dieser Gesinnung muss er sich der Aufgabe nähern, und wenn er dieses Bewusstsein aufrechterhält, wird er keine Gefahr laufen; aber wenn er von dieser Verbindung abweicht und selbstsüchtig einem weltlichen Ziel nachjagt, dann wird er verdammt sein. Sonst kann ihm nichts etwas anhaben. Diese innere Gesinnung sollte man aufrechterhalten, und das ist die wirkliche Befähigung eines Schülers: "Ja, ich bin bereit zu sterben, um die Anweisungen meines gurudeva auszuführen. Ich spüre, dass das Nektar ist, und ich muss ihn an alle anderen verteilen, um sie zu retten." |



Schüler: Sollte ein Schüler seinen gurudeva als uttama-adhikari ansehen, der sich auf der höchsten Ebene des hingebungsvollen Dienstes befindet? 

